Sonntag, 5. Mai 2013

Bourbon, Cuba und Libanon - alles in Missouri

So langsam kriegen wir aber nen dicken Hals hier in Amerika. Heute morgen als wir losgefahren sind, regnete es wie im Münsterland: lange Bindfäden. Aber sonst war es heute ganz nett:
Die Route 66 lief fast den ganzen Tag parallel zur Interstate (Autobahn) 44 - mal direkt daneben und mal mit einigen Kilometern Abstand.



Obwohl man auf der Interstate deutlich schneller ist, haben wir uns (natürlich) für die historische Route durch die vielen kleinen Städtchen und Dörfer entschieden. Nur so kann man ja aus der Nähe sehen, wie man denn so lebt in den USA. Die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit liegt dann so bei 40 m/h, das sind etwa 80 km/h . Auf den kurvenreichen und teilweise schlechten Straßen ist das auch völlig ausreichend.
Kurz nach St. Louis waren wir bei der Meramac Cavern, direkt am Meramac Fluß. Der ist zu unserer Begrüßung dann gleich mal über die Ufer getreten.


Die Tropfsteinhöhle wollten wir uns auch nicht wirklich anschauen, war ja auch nichts los - ist ja auch keine Saison und das Wetter ist beschissen (sh. oben).


In der Höhle soll sich auch Jesse James einige Zeit versteckt haben, das ist auch  der Grund warum er und seine Bandenmitglieder hier an der Wand aufgehängt wurden (also die Fotos meine ich)


Draussen auf den Parkplatz haben wir dann noch eine Gruppe Motorradfahrer aus Polen getroffen die auch die Route 66 machen, schön im Regen aber mit Begleitfahrzeug.


Dann sind wir weiter und fanden unterwegs das hier:


Ich habe nachgefragt, ist gar kein Whiskey drin, der Ort heißt nur so, schade eigentlich. Wo doch alles in Amerika immer etwas größer ist als sonst auf der Welt.
In einem Örtchen mit Namen CUBA gibt es zwar eine "Peoples Bank" aber ansonsten hat das verschlafene Nest wohl wenig mit der Insel in der Karibik gemeinsam. Das wichtigste Ereignis war bislang wohl, dass Bette Davis sich mal hierhin verirrt hat.


Kurz hinter Cuba war dann ein Laden (leider geschlossen) der mit dem größten Schaukelstuhl (eng. Rocker) der Welt vor der Tür Werbung macht. Dort trafen wir dann auch unsere Rocker von der Höhle wieder, zusammen mit einer zweiten Gruppe aus Tschechien.


Jedenfalls war der Laden von Aussen ganz nett, von Innen konnten wir leider nichts erkennen.



So, und jetzt etwas für die Weintrinker unter Euch. Missouri ist ein anerkanntes Weinanbaugebiet in den USA. Also nicht nur Kalifornien! Deutsche und italienische Einwanderer erkannten die gute Qualität des Bodens hier und fingen an Wein anzubauen. Die meisten sind aber während der Prohibition davon wieder abgekommen. Aber heute gibt es noch oder wieder zahlreiche Weingüter entlang der Route 66.


Einen langen Güterzug mit Doppellok haben wir auch gesehen:

Ganz am Ende war sogar ein LKW auf Schienen angehängt der Rückwärts mitgezogen wurde. Den hab ich aber leider nicht fotografiert. Ich habe aber eine Zeugin! :-)

Als die Route 66 mal so richtig durch die Wälder und entlang der Flüsse führte, waren wir beim "Devils Elbow" einer alten Stelle für das flössen von gefällten Bäumen. Und weil diese Flussbiegung so schwer zu schaffen war, hat man sie "Ellbogen des Teufels" genannt.
Die Brücke über den Fluß würde ich mit einem Wohnmobil oder  schwereren Wagen aber nicht überfahren wollen.




Am späten Nachmittag sind wir dann in Lebanon angekommen und haben uns in einem Veteranen der Motels (gibt es schon seit fast 50 Jahren - und mit den selben Besitzern!) eingemietet. Die Zimmer sind zwar kitschig aber das gehört dann wohl dazu. Die Fotos an den Wänden zeigen die Geschichte der Route 66




Ach ja, bevor ich es vergesse: Es war ja Sonntag heute. Das merkt man u.a. daran, dass vor den (wirklich) zahlreichen Kirchen jede Menge Autos rumstehen.

Kirchen sehen hier auch echt anders aus als bei uns, teilweise eher wie Fabrikhallen in einem Industriegebiet. In jeder kleineren Stadt gibt es mehrere Kirchen, jede mit einer leicht anderen religiösen Ausrichtung.
Und was mir noch aufgefallen ist?
Die Wohnsituation einer beachtlichen Anzahl von Menschen finde ich erschreckend. Jedes Städtchen hat hier mindestens einen sog. Trailerpark in welchem man in 'Mobilhomes' wohnt. Das sind etwas zu groß geratene Wohnwagen (sog. Trailer) die eigentlich auch nicht bewegt werden. Die "Wohnung" besteht dann oft nur aus einem länglichen Raum. Und davon gibt es tausende entlang der Route 66.


Wohnen hat in den USA grundsätzlich einen anderen Stellenwert als bei uns in Deutschland. Die meisten Häuser sind aus Holz, fast nie aus Stein. Meistens nur eine Etage. Und immer mindestens 2 Autos vor der Veranda stehen. Teilweise stehen dort aber auch 5 - 10 Autos rum. Und ich glaub das ist nicht alles Besuch am Sonntag. :-)
Da in den Wohnungen also i.d.R. wenig Platz ist, sind die Amerikaner auf eine neue Geschäftsidee gekommen: Man kann alles "Einlagern" in sog. "Storages". Die sehen teilweise aus wie Garagen bei uns, man mietet sie und lagert dann seinen ganzen Krempel einfach dort ein. Und die gibt es auch in jedem Dorf. Meistens direkt neben den Trailerparks. Irgendwie clever, oder nicht?


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